Überblick
Dieser Artikel zeigt an vier Fallbeispielen, wie Sie die Fragen des Angemessenheitsfragebogens beantworten können.
Die Beispiele decken Menschenrechte (Kinder- und Zwangsarbeit), Arbeitsrechte (Arbeitsschutz, Mindestlohn) und Umweltrechte (Quecksilber) ab.
Die Unternehmen sind fiktiv. Die Grundlagen der einzelnen Kriterien erklärt der Artikel Bedeutung des Angemessenheitsfragebogens.
Hinweis: Die Fragen entsprechen der Standard-Konfiguration des Angemessenheitsfragebogens von Tacto (7 Fragen). Ihre Bewertungsvorlage kann abweichen.
Fallbeispiele: Menschenrechte
Situation 1: Risiko von Kinderarbeit und Zwangsarbeit in der Lieferkette
Unternehmen: „ElectroTech International“, ein großes deutsches Unternehmen, das elektronische Geräte herstellt und weltweit vertreibt.
Szenario: ElectroTech International bezieht seltene Erden und andere Rohstoffe aus der Demokratischen Republik Kongo – einem Land mit reichen Mineralvorkommen, aber auch problematischen Arbeitsbedingungen einschließlich Kinder- und Zwangsarbeit. Das Unternehmen hat bisher keine direkten Verstöße festgestellt, aufgrund der regionalen Bedingungen besteht aber ein hohes Risikopotenzial.
Wie ist die potenzielle Schwere einer Verletzung einzuschätzen?
Hoch. Kinder- und Zwangsarbeit haben tiefgreifende und langanhaltende Auswirkungen auf Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen der Betroffenen und ihrer Gemeinschaften. Mittel oder Gering sind hier nicht zutreffend, da Kinder- und Zwangsarbeit im Rohstoffabbau in der Regel als schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen gelten.
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Risiko beim Lieferanten in einer Verletzung mündet?
Wahrscheinlich, da die Region für Menschenrechtsverletzungen bekannt ist und das Unternehmen bisher keine umfassenden Kontroll- und Präventionsmaßnahmen nachweisen kann. Hat ElectroTech International bereits Maßnahmen zur Risikominderung eingeführt, ist auch Möglich vertretbar. Unwahrscheinlich trifft nicht zu, da das Risiko in diesem Szenario inhärent hoch ist.
Wie hoch ist der Aufwand für den Lieferanten, die negativen Auswirkungen einer Verletzung umzukehren?
In den meisten Fällen Hoch, da die Folgen von Kinder- und Zwangsarbeit schwerwiegend und oft langfristig sind, besonders für die Entwicklungs- und Bildungschancen von Kindern. Mittel ist denkbar, wenn das Unternehmen und seine Partner wirksame Unterstützungs- und Rehabilitationsmaßnahmen ergreifen. Gering trifft nicht zu, da oft langfristige psychische und physische Schäden entstehen.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Geschäftstätigkeit Menschenrechtsverletzungen beim Lieferanten verursacht?
Hoch, da ElectroTech International Rohstoffe aus dem Kongo bezieht und so indirekt zu den dort häufigen Menschenrechtsverletzungen im Rohstoffabbau beiträgt. Hat das Unternehmen Maßnahmen und Initiativen zur Eindämmung ergriffen, ist auch Mittel vertretbar. Gering trifft nicht zu, da sich die problematischen Arbeitsbedingungen wahrscheinlich nicht vollständig verhindern lassen.
Inwieweit trägt mein Unternehmen durch seine Handlungen dazu bei, Menschenrechte zu verletzen?
Begrenzter Beitrag trifft zu, wenn das Unternehmen Maßnahmen zur Risikominimierung umgesetzt hat, diese aber nicht alle Risiken abdecken – etwa wenn ethische Beschaffungspraktiken eingeführt, aber noch nicht voll wirksam sind. Aktiver Beitrag kommt in Betracht, wenn keine ausreichende Sorgfaltsprüfung erfolgt und so indirekt Praktiken unterstützt werden, die Menschenrechtsverletzungen begünstigen. Kein Beitrag trifft eher nicht zu, da der Bezug aus Hochrisikogebieten die Nachfrage nach diesen Rohstoffen stützt.
In welchem Grad der Lieferkette entsteht das potenzielle Risiko?
Tier 3 – Mittelbar ist sehr wahrscheinlich, da Risiken beim Abbau seltener Erden oft auf dieser Ebene entstehen, wo das Unternehmen wenig Einfluss und Einblick hat. Tier 2 – Mittelbar ist ebenfalls wahrscheinlich, da Rohstofflieferanten aus dem Kongo meist auf Tier 2 oder tiefer angesiedelt sind. Tier 1 – Unmittelbar kann relevant sein, wenn die Hauptlieferanten Rohstoffe direkt aus Hochrisikogebieten beziehen.
Hat Ihr Unternehmen im Vergleich zu anderen in Ihrer Branche eine marktbeherrschende Stellung?
Ja, wenn ElectroTech International im Vergleich zu Wettbewerbern deutlich größer ist und einen signifikanten Marktanteil in der Elektronikindustrie hat – dann hat es potenziell mehr Einfluss auf seine Lieferanten. Nein, wenn es trotz internationaler Präsenz nicht marktbeherrschend ist oder ähnlich groß wie seine Wettbewerber ist.
Situation 2: Risiko von Zwangsarbeit in der Lieferkette
Unternehmen: „TechGadget Innovations“, ein mittelständisches deutsches Unternehmen, das spezialisierte Elektronikkomponenten herstellt.
Szenario: TechGadget Innovations bezieht seltene Materialien und Komponenten von einem Zulieferer in China. Es gibt keine direkten Beweise für Zwangsarbeit, mehrere unabhängige Berichte und Medien weisen aber auf Zwangsarbeit in einigen Regionen Chinas hin. Daher besteht ein mittleres Risiko, dass einige Zulieferer in solche Praktiken verwickelt sind.
Wie ist die potenzielle Schwere einer Verletzung einzuschätzen?
Hoch, wenn umfassende oder systematische Zwangsarbeit bei den Zulieferern festgestellt wird. Mittel, wenn Zwangsarbeit in begrenztem Umfang oder in weniger schweren Formen auftritt. Gering trifft nicht zu, da Zwangsarbeit immer eine ernsthafte Menschenrechtsverletzung ist.
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Risiko beim Lieferanten in einer Verletzung mündet?
Möglich: Es gibt keine direkten Beweise, aber regionale Bedingungen und Berichte deuten auf ein Risiko hin. Wahrscheinlich trifft nicht zu, da bisher keine konkreten Fälle in der direkten Lieferkette bekannt sind. Unwahrscheinlich trifft ebenfalls nicht zu, da das Risiko durch Berichte bereits belegt ist.
Wie hoch ist der Aufwand für den Lieferanten, die negativen Auswirkungen einer Verletzung umzukehren?
Wahrscheinlich Hoch, da die Folgen von Zwangsarbeit meist schwerwiegend und langfristig sind. Mittel ist denkbar, wenn die Auswirkungen begrenzt sind und wirksame Unterstützungs- und Rehabilitationsmaßnahmen möglich sind. Gering ist unwahrscheinlich, da Zwangsarbeit die Betroffenen meist tiefgreifend beeinträchtigt.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Geschäftstätigkeit Menschenrechtsverletzungen beim Lieferanten verursacht?
Mittel, da es keine direkten Beweise für Zwangsarbeit in der Bezugsregion gibt, die Medienberichte das Risiko aber nicht ausschließen. Hoch trifft mangels direkter Beweise nicht zu, Gering ebenfalls nicht, da einige Zulieferer betroffen sein könnten.
Inwieweit trägt mein Unternehmen durch seine Handlungen dazu bei, Menschenrechte zu verletzen?
Begrenzter Beitrag ist wahrscheinlich, da das Unternehmen indirekt beitragen könnte, wenn es ohne ausreichende Prüfung Rohstoffe aus diesen Gebieten bezieht. Aktiver Beitrag trifft nur zu, wenn nachgewiesen ist, dass es wissentlich bei Zulieferern mit Zwangsarbeit einkauft. Kein Beitrag trifft nicht zu, da die Bezugsregion für Zwangsarbeit bekannt ist.
In welchem Grad der Lieferkette entsteht das potenzielle Risiko?
Tier 3 – Mittelbar ist sehr wahrscheinlich, vor allem bei Rohstoffen oder Grundkomponenten. Tier 2 – Mittelbar ist ebenfalls wahrscheinlich, da Zwangsarbeit oft auf tieferen Ebenen der Lieferkette vorkommt. Tier 1 – Unmittelbar ist möglich, wenn die Hauptlieferanten direkt betroffen sind.
Hat Ihr Unternehmen im Vergleich zu anderen in Ihrer Branche eine marktbeherrschende Stellung?
Nein ist wahrscheinlicher, da ein mittelständisches Unternehmen meist weniger Einfluss auf Zulieferer und Lieferkette hat als große Konzerne. Ja ist eher unwahrscheinlich.
Fallbeispiele: Arbeitsrechte
Situation 1: Arbeitsschutz und Mindestlöhne in der Lieferkette
Unternehmen: „QualityApparel GmbH“, ein weltweit tätiges deutsches Mode- und Bekleidungsunternehmen.
Szenario: QualityApparel bezieht Bekleidung von verschiedenen Zulieferern in Bangladesch. Das Unternehmen hat Richtlinien für faire Arbeitsbedingungen und Löhne festgelegt, es gibt aber Berichte über mangelnden Arbeitsschutz und unzureichende Löhne in der Textilindustrie des Landes. Es besteht ein mittleres Risiko, dass einige Zulieferer keinen angemessenen Mindestlohn zahlen und Arbeitsschutzstandards nicht einhalten.
Wie ist die potenzielle Schwere einer Verletzung einzuschätzen?
Mittel, insbesondere wenn die Verstöße nicht flächendeckend sind, aber die betroffenen Arbeitskräfte dennoch erheblich beeinträchtigen. Hoch, wenn die Verstöße weit verbreitet und systematisch sind. Gering trifft nicht zu, da Verstöße gegen Arbeitsschutz und Mindestlohn ernsthafte Verletzungen der Arbeitsrechte sind.
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Risiko beim Lieferanten in einer Verletzung mündet?
Möglich, da die Richtlinien des Unternehmens in der Praxis von einigen Zulieferern nicht vollständig umgesetzt werden könnten. Wahrscheinlich, wenn es konkrete Hinweise auf systematische Verstöße bei Hauptzulieferern gibt. Unwahrscheinlich trifft nicht zu, da das Risiko in der Textilindustrie in Bangladesch bekannt ist.
Wie hoch ist der Aufwand für den Lieferanten, die negativen Auswirkungen einer Verletzung umzukehren?
Wahrscheinlich Mittel, da die Folgen von unzureichendem Arbeitsschutz und niedrigen Löhnen mit angemessenen Maßnahmen mittelfristig umkehrbar sind. Gering ist möglich, wenn die Verstöße neu sind und schnell behoben werden können. Hoch ist eher unwahrscheinlich, außer bei langfristigen Gesundheitsschäden oder anderen schwerwiegenden Folgen.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Geschäftstätigkeit Arbeitsrechtsverletzungen beim Lieferanten verursacht?
Mittel, da QualityApparel zwar Richtlinien für faire Arbeitsbedingungen und Löhne festgelegt hat, diese laut den Berichten aber nicht durchgängig umgesetzt werden. Hoch trifft nicht zu, da das Unternehmen aktiv vorbeugt. Gering trifft ebenfalls nicht zu, da Berichte über Missstände in der Branche vorliegen.
Inwieweit trägt mein Unternehmen durch seine Handlungen dazu bei, Arbeitsrechte zu verletzen?
Begrenzter Beitrag ist sehr wahrscheinlich, da das Unternehmen indirekt beitragen könnte, wenn es bei Zulieferern einkauft, die nicht alle Standards einhalten. Aktiver Beitrag trifft nur zu, wenn nachgewiesen ist, dass es wissentlich bei Zulieferern einkauft, die diese Standards verletzen. Kein Beitrag ist eher unwahrscheinlich, da das Unternehmen in einem Hochrisikosektor tätig ist.
In welchem Grad der Lieferkette entsteht das potenzielle Risiko?
Tier 1 – Unmittelbar ist wahrscheinlich, da die Hauptlieferanten direkt betroffen sein könnten. Tier 2 – Mittelbar ist möglich, wenn die Probleme auf weiteren Ebenen der Lieferkette auftreten. Tier 3 – Mittelbar ist ebenfalls möglich, aber weniger wahrscheinlich, da das Unternehmen in diese Ebene meist wenig Einblick hat.
Hat Ihr Unternehmen im Vergleich zu anderen in Ihrer Branche eine marktbeherrschende Stellung?
Nein ist wahrscheinlicher, da das Unternehmen weniger direkten Einfluss auf seine Zulieferer hat. Ja nur, wenn QualityApparel im Vergleich zu anderen Akteuren der Modebranche dominierend ist.
Fallbeispiele: Umweltrechte
Situation 1: Umweltverschmutzung durch Quecksilber in der Metallverarbeitung
Unternehmen: „EcoMetal Solutions GmbH“, ein deutsches Unternehmen, das auf Gewinnung und Verarbeitung von Metallen spezialisiert ist, auch aus Gebieten mit hohem Umweltrisiko.
Szenario: EcoMetal Solutions betreibt Minen und Verarbeitungsanlagen in Südostasien, einer Region mit reichen Metallvorkommen, aber auch Problemen bei der Umweltverschmutzung. Es besteht ein hohes Risiko, dass in der Metallverarbeitung Quecksilber verwendet wird – ein direkter Verstoß gegen das Minamata-Übereinkommen. Auch eine unzureichende Behandlung von Quecksilberabfällen könnte gegen das Übereinkommen verstoßen.
Wie ist die potenzielle Schwere einer Verletzung einzuschätzen?
Hoch, da schon geringe Mengen Quecksilber schwerwiegende und langfristige Umweltauswirkungen haben können. Mittel ist möglich, wenn die eingesetzte Menge begrenzt ist. Gering trifft nicht zu, da Quecksilber hochgiftig ist und erhebliche Umwelt- und Gesundheitsschäden verursachen kann.
Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Risiko beim Lieferanten in einer Verletzung mündet?
Wahrscheinlich, da in der Region bereits Fälle von Quecksilberverschmutzung bekannt sind. Möglich ist ebenfalls vertretbar, insbesondere wenn das Unternehmen keine strengen Umweltschutzmaßnahmen umgesetzt hat. Unwahrscheinlich trifft nicht zu, da der Einsatz von Quecksilber in einigen Verarbeitungsprozessen bekannt ist.
Wie hoch ist der Aufwand für den Lieferanten, die negativen Auswirkungen einer Verletzung umzukehren?
Sehr wahrscheinlich Hoch, da Quecksilberkontamination lange anhält und sich in der Umwelt anreichert. Mittel ist möglich, wenn umgehend Eindämmungs- und Sanierungsmaßnahmen eingeleitet werden. Gering sollte nicht gewählt werden, da Quecksilberkontaminationen oft langanhaltende Folgen für Umwelt und Gesundheit haben.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Geschäftstätigkeit Umweltrechtsverletzungen beim Lieferanten verursacht?
Hoch, da EcoMetal Solutions Minen und Verarbeitungsanlagen in einer Region betreibt, die für Umweltverschmutzung bekannt ist. Hat das Unternehmen wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen, ist auch Mittel vertretbar. Gering trifft nicht zu, da die Minen in einem Hochrisikogebiet liegen.
Inwieweit trägt mein Unternehmen durch seine Handlungen dazu bei, Umweltrechte zu verletzen?
Aktiver Beitrag ist am wahrscheinlichsten, wenn EcoMetal Solutions Quecksilber in seinen Prozessen einsetzt oder unzureichend entsorgt. Begrenzter Beitrag ist möglich, wenn das Unternehmen Maßnahmen zur Reduzierung des Quecksilbereinsatzes umsetzt. Kein Beitrag ist eher unwahrscheinlich, da das Unternehmen in einem Sektor mit bekanntem Quecksilberrisiko tätig ist.
In welchem Grad der Lieferkette entsteht das potenzielle Risiko?
Tier 1 – Unmittelbar ist sehr wahrscheinlich, da das Unternehmen direkt in Abbau und Verarbeitung tätig ist. Tier 2 – Mittelbar ist möglich, wenn auch Zulieferer an risikoreichen Prozessen beteiligt sind. Tier 3 – Mittelbar ist ebenfalls möglich, insbesondere bei Rohstofflieferanten.
Hat Ihr Unternehmen im Vergleich zu anderen in Ihrer Branche eine marktbeherrschende Stellung?
Ja, wenn EcoMetal Solutions ein führender Akteur seiner Branche ist. Nein, wenn das Unternehmen kleiner ist und weniger Einfluss auf die Branche hat.
